Pferdetraining

Bewegung als Gesundheitsgrundlage

Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren für die Gesunderhaltung unserer Pferde und zugleich einer der am häufigsten vernachlässigten. In freier Natur ist ein Pferd 16–18 Stunden am Tag mit gesenktem Kopf auf Futtersuche und legt dabei, je nach Umgebung, viele Kilometer in langsamem Schritt zurück. Auf diese kontinuierliche Bewegung in niedrigem Tempo sind Stoffwechsel, Bewegungsapparat und Psyche des Pferdes ausgelegt.

Da selbst die meisten Offenställe diesem natürlichen Bewegungsverhalten nicht gerecht werden, sind regelmäßige, dem Gesundheitszustand angepasste Bewegung und gezieltes Training essenziell. Denn Bewegungsmangel steht im Zusammenhang mit vielen gesundheitlichen Problemen – von stoffwechselbedingten Erkrankungen bis zu Einschränkungen des Bewegungsapparats. Gelenkknorpel wird beispielsweise nicht durchblutet, sondern ausschließlich über Bewegung „ernährt“. Fehlt der regelmäßige Bewegungsreiz, leidet die Knorpelversorgung – und da Knorpel kaum Regenerationsfähigkeit besitzt, sind solche Schäden nur begrenzt umkehrbar. Bewegung und Training sind daher essenziell für stabile Knochen und Gelenke ebenso wie für geschmeidige Muskulatur und Sehnen.

Pferd im Galopp auf der Koppel

Training bei chronischen Erkrankungen

Pferd mit Übergewicht

Stoffwechselbedingte Erkrankungen

Verbesserte Insulinsensitivität, effizienterer Energie- und Fettstoffwechsel, Unterstützung des Fettabbaus und Reduktion von Entzündungsprozessen – etwa bei Übergewicht, Insulindysregulation, EMS oder PPID/Cushing

Pferd mit PSSM1

PSSM / Muskelerkrankungen

Regelmäßige, kontinuierliche Bewegung mindert die Symptome und schützt vor schmerzhaften Schüben durch Überlastung oder Mangelbewegung. Sie unterstützt einen stabilen Muskelstoffwechsel

Pferd mit Equinem Asthma

Equines Asthma

Bessere Lungenkapazität und ein effizienterer Gasaustausch durch gezielte, dosierte Bewegung. Sie fördert die Sekret-Clearance der Atemwege und stärkt – in Kombination mit einer Staubreduktion – die Atemfunktion und allgemeine Kondition

Reha-Training

Arthrose

Angepasstes, regelmäßiges Training fördert die Durchblutung und erhält die Gelenkbeweglichkeit. So lassen sich Schmerzen und Steifheit langfristig reduzieren und die Belastbarkeit des Gelenks schrittweise stabilisieren.

Kissing Spines

Gezieltes Aufbautraining stärkt die Rücken- und Bauchmuskulatur und reduziert den Druck zwischen den Dornfortsätzen. So wird der Rücken aktiv gestützt, entlastet und langfristig stabiler und belastbarer.

Sehnenschaden

Nach einer akuten Sehnenentzündung mit Boxenruhe benötigt das Sehnengewebe dosierte Bewegungsreize im Schritt. Dadurch richten sich neue Kollagenfasern aus, und es entstehen belastungsstabile Sehnenstrukturen.

Bänder- und Fesselträgerverletzungen

Dosierte, kontinuierlich gesteigerte Belastung regt die Heilung der Bandfasern an, verbessert die Durchblutung und beugt erneutem Überdehnen durch zu schwache Strukturen vor

ECVM / Veränderungen der Halswirbelsäule

Spezifisches, schmerzfreies Training kann Rumpftragefähigkeit und die Muskulatur um die Halswirbelsäule verbessern, betroffene Segmente stabilisieren und überlastete Strukturen entlasten

Schäden an Knie- / Sprunggelenken

Kontrolliertes Reha-Training bei Schäden an den Knie-/Sprunggelenken stärkt die gelenkumgebenden Strukturen und hilft, schmerzfreie Beweglichkeit schrittweise zurückzugewinnen

Neurologische Erkrankungen

Z. B. bei Shivering oder milden Ataxien unterstützt spezifisches Koordinationstraining das zentrale Nervensystem bei der Reorganisation von Bewegungsabläufen. So lassen sich Bewegungssicherheit verbessern und Verletzungsrisiken verringern.

Nach Operationen
(z. B. Chip-Entfernung)

Gezielte Reha-Pläne helfen, Muskelabbau zu vermeiden und die Gelenkbeweglichkeit frühzeitig zu erhalten. So findet das Pferd schrittweise zu einem belastbaren, funktionalen Gangbild zurück.

Bei tierärztlich verordneter Boxenruhe

Selbst bei verordneter Boxenruhe können – je nach Indikation – u.a. isometrische und mobilisierende Übungen, Muskelmassagen oder manuelle Lymphdrainage die Genesung unterstützen.

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Häufige Trainingsfehler

Einseitiges Training

Zu enger Fokus auf eine Reitweise oder Methode, wodurch nur bestimmte Strukturen belastet und andere vernachlässigt werden

Training ohne Plan und Ziel

Unsystematisches Bewegen ohne roten Faden und dadurch ausbleibender Trainingserfolg

Fehlende Trainingsreize

Rückbildung und Abbau von Muskulatur, Sehnen, Bändern und Gelenken mangels Belastung

Fehl- und Überlastung

Wiederholte Fehlbelastung, Mikroverletzungen, Belastungsschäden und vorzeitiger Verschleiß

Missachtung der Trainingsprinzipien

Dauer, Intensität und Anzahl der Wiederholungen werden nicht sinnvoll dosiert

Zu wenig Regeneration

Fehlende Erholungsphasen, sodass die nötige Anpassung von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken ausbleibt