Heuanalyse zur Rationsberechnung

Wozu eine Heuanalyse?

Heu oder Heulage dient als Hauptfuttermittel für Pferde. Die Qualität des Raufutters ist abhängig vom Gehalt an Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und der mikrobiologischen Belastung. Für den Nährstoffgehalt ist der Erntezeitpunkt der entscheidende Faktor. Ein früh geschnittenes Heu ist z. B. deutlich protein- und energiereicher als ein spät geschnittenes, überständiges Heu, das vor allem strukturwirksame Rohfaser liefert. Der Nährstoffgehalt wird aber auch durch die botanische Zusammensetzung der Pflanzen, Standort, Düngung, Witterung, Ernte- und Konservierungsbedingungen, Lagerung und Lagerdauer bestimmt.

Daher ist jede Heucharge anders. Nur anhand einer Heuanalyse lässt sich ermitteln, wie viel Energie, Proteine, Zucker, Mengen- und Spurenelemente das Pferd über das Raufutter aufnimmt. Wird ein Mineralfutter ohne vorherige Rationsberechnung mit Heuanalyse gefüttert, besteht immer die Gefahr einer Unter- oder Überversorgung.

Zwei Pferde fressen Heu aus der Raufe
Pferd frisst Heu

Wann lohnt sich eine Heuanalyse?

Eine Überversorgung mit Energie, Protein oder einzelnen Mineralstoffen kann langfristig zu metabolischen Störungen, Übergewicht, Leberbelastung, Hufrehe oder Mineralstoffungleichgewichten führen. Eine Unterversorgung mit essenziellen Nährstoffen wie Aminosäuren, Spurenelementen oder Vitaminen kann einen schleichenden Leistungsabfall, Muskelabbau, Immunschwäche und schlechte Regeneration verursachen.

Eine Heuanalyse ist sinnvoll, wenn das Heu aus großen, einheitlichen Chargen von denselben Flächen mit langer Lagerdauer am eigenen Stall oder beim Landwirt/Händler stammt. Bei wechselnden Heuchargen sollte das Heu mindestens aus der gleichen Region kommen, um mit Durchschnittswerten kalkulieren zu können. Nicht sinnvoll ist eine Heuanalyse, wenn das Heu alle drei Monate aus verschiedenen Bundesländern bezogen wird.

Welche Werte sind besonders relevant?

Die LUFA NRW bietet die Nährstoffanalyse für Heu plus Mineralstoffpaket und zusätzlich Selen an. Darin enthalten sind insbesondere Rohfaser, Zucker, praecaecal verdauliches Rohprotein (pcvXP), Energieberechnung Pferd (ME), die Mengenelemente Calcium, Phosphor und Magnesium sowie die Spurenelemente Kupfer, Zink, Mangan, Eisen und Selen.

Pferde an einer Heuraufe im Offenstall

Hinweise zur Probenahme

1

Repräsentative Mischprobe

Die Qualität der Analyse steht und fällt mit einer repräsentativen Mischprobe: Von vielen verschiedenen Teilen eines Ballens (inkl. Ballenmitte) – aber möglichst nicht vom Rand – Proben nehmen und dabei sowohl faserreichere Halme als auch protein- und mineralstoffreichere Blattteile nehmen.

Mindestens 10–20 Ballen pro Partie beproben (je nach Größe der Charge), um natürliche Schwankungen zu erfassen. Alle Teilproben gründlich mischen (z. B. in sauberem Eimer oder auf Plane). Krümelware mitnehmen! Aus der Mischung ca. 300 g (max. 1 kg) als Probe entnehmen.

2

Analysezeitpunkt

Für eine Nährstoffanalyse das Heu frühestens 6–8 Wochen nach der Ernte beproben.
Mikrobiologische Analysen (z. B. Hefen, Schimmel, Mykotoxine) ab 10–12 Wochen nach der Ernte, um Nacherwärmung und Keimentwicklung zu berücksichtigen.

3

Werkzeug

Bei losem Heu oder kleinen Mengen sauberes Edelstahlmesser oder Schaufel verwenden. Die Werkzeuge müssen trocken, sauber und rückstandsfrei sein (keine Kreuzkontamination!).
Bei dichten, gepressten Ballen idealerweise einen Heubohrer oder alternativ einen Ampferstecher verwenden, um einen repräsentativen Querschnitt zu erhalten.

4

Verpacken der Probe

Heu und Stroh: in Papiertüte – luftdurchlässig
Heulage: in Kunststoffbeutel (z. B. Gefrierbeutel), Luft herausdrücken und vakuumieren/verschließen

Typische Fehlerquellen bei der Probenahme

1

Kontaminierte Heuprobe

Nie bereits gefüttertes Material aus Raufe oder Box beproben. Nur frisches, repräsentatives Heu der gesamten Partie liefert zuverlässige Ergebnisse.

2

Beprobung des Randes

Der äußere Bereich des Ballens ist meist stärker verwittert, oxidiert oder verschmutzt – das Ergebnis gibt nicht den echten Nährstoffgehalt der gesamten Charge wieder.

3

Zu wenig Teilproben

Nur eine Probe pro Ballen oder nur ein einzelner Ballen pro Partie ist statistisch nicht aussagekräftig und führt zu unbrauchbaren Analysen.

4

Falsche Entnahmetechnik

Durch eine falsche Entnahmetechnik (z. B. Herausziehen per Hand) gehen Blätter verloren, sodass ein verzerrtes Nährstoffbild erzeugt wird.